Schwitzen im Wankspitzen-Klettersteig

Schon ein Jahr zuvor entschieden mein Freund Kevin und ich uns dazu ein Abenteuer zu erleben. Wir wollten uns an die körperliche Grenze bringen und etwas erleben.

Da wir beide leidenschaftliche Boulderer und Kletterer sind, entschieden wir uns dazu hoch hinaus zu steigen. Nach etwas Recherche trafen wir die Entscheidung uns an den Wankspitzen-Klettersteig zu wagen.

Eins sei dazu gesagt: Die körperliche Grenze hatten wir zu dem damaligen Zeitpunkt, trotz intensiver Vorbereitung zügig erreicht. Als wir da waren, wollten wir ganz schnell wieder zurück ;).

Im letzten Jahr konnte ich meine Freundin Louisa davon überzeugen, gemeinsam ein weiteres Mal auf die Wankspitze zu klettern, da ich der Ansicht bin, dass dies ein einzigartiges Gefühl dort oben ist und der Aufstieg eine Menge Lebenserfahrung mit sich bringt. Also gesagt, getan.

Dieser Blog-Beitrag handelt von dieser Erfahrung und zeigt euch, warum auch ihr solch ein Abenteuer auf euch nehmen solltet.

Das offizielle Topo zum Klettersteig vom Alpinverlag.

Quelle: https://www.bergsteigen.com/fileadmin/userdaten/tour/topo/21849/wankspitze-klettersteig-topo.png

Los gehts! Ein Abenteuer beginnt!

Vorab erst einmal ein paar Informationen über die Wankspitze. Sie liegt in Österreich in der Region Tirol und ist Teil des Wetterstein-Gebirges. Zudem ist sie Bestandteil der Mieminger Kette. Die Höhe des Gipfels beträgt 2209 m.

9:00 Uhr morgens am 09. Juli 2020 stehen wir also am Fuße der Wankspitze. Um genau zu sein stehen wir auf dem Wanderparkplatz vor dem Gasthaus Arzkasten in dem kleinen und schönen Örtchen Obsteig, in welchem wir zugleich unsere Übernachtungsmöglichkeit gebucht hatten. Und schon auf dem Wanderparkplatz gab es für uns die ersten Komplikationen. Der Parkscheinautomat hat ein defektes Kartenlesegerät und keiner von uns hatte Kleingeld dabei. Nach einem freundlichen Gespräch mit den Besitzern des Gasthauses bot man uns einen Platz auf dem Privatparkplatz des Hauses an mit der Bedingung verknüpft, dass wir nach der Expedition auf ein Getränk vorbeikommen. Gesagt, getan und auf ging es in Richtung Gipfel.

Erster Halt – Quellwasser Bachlauf!

An dieser Stelle hat es sich für uns bewehrt, alle Wasservorräte weg zu kippen und mit frischem Wasser aus dem Bachlauf aufzufüllen. Der Grund dafür ist, dass es wirklich das beste Wasser ist, das ihr je getrunken habt. Kann natürlich auch daran liegen, dass dieses sehr kalt ist (gerade mal 2-3°C) und somit sehr frisch schmeckt. Und was gibt es denn Besseres als ein schön kaltes Wässerchen bei knalligem Sonnenschein?

Anschließend geht es für uns die Waldwege weiter in Richtung Lehnberghaus. Das Lehnberghaus ist eine Schutzhütte am Fuße der Wankspitze. Es befindet sich auf einer Höhe von 1554 m ü. A.. Von dort aus also noch 655 bis zum Gipfel der Wankspitze. Hört sich zwar nicht mehr viel an, doch ab hier enden die gut befestigten Wege. Ab jetzt nur noch Geröll und Fels.

Nach wenigen hundert Metern kommen wir an die Baumgrenze. Ab jetzt kein Schatten mehr. Wirklich wichtig ist es in dieser Höhe eine Kopfbedeckung zu tragen, da man sich ansonsten sehr schnell einen Sonnenstich holen kann. (Habe ich auch mit Kopfbedeckung geschafft..)

Die lang ersehnte Pause

Unser Weg führt uns nach rechts abdriftend über schier endlose Geröllhaufen in Richtung Stöttltörl, welches sich direkt neben dem Einstieg in den Wankspitzen Klettersteig befindet. Hier also unsere erste und vor Erreichen des Kreuzes letzte Pausenstätte. Essen, Trinken, kurz ausruhen und dann ausrüsten.

Welches Material benötigt ihr für solch eine Expedition?

Für die Besteigung eines Klettersteigs gibt es viele notwendige aber auch viele optionale Materialien, welche ihr dabei haben solltet.

Hier die wichtigsten im Überblick:

  • Kletterhelm
  • Klettersteigset und Klettergurt
  • Handschuhe (am besten mit geschlossenen Fingern)
  • Rucksack mit Proviant und genug Trinken
  • Rastleine (Bandschlinge mit 2 HMS Karabinern – alternativ. Expressen)
  • Wanderschuhe (oder besser Bergschuhe)
  • Kopfbedeckung (meist wird es unterschätzt, dass es dort oben keinen Schatten gibt)

Zusätzlich dazu hatten wir bei unserer ersten Tour ein 80 m Seil mit Abseilgerät und weiteren Karabinern dabei. (Man kann ja nie wissen was auf einen zukommt)

Was uns damals jedoch fehlte, waren aufgrund eines sehr kalten Winters Grödel bzw. Steigeisen. Eine große Fläche des Anstiegs war noch mit Schnee und Eis bedeckt, was den Anstieg sehr gefährlich machte.

Ansonsten natürlich das Standard Survival Equipment. Messer, Leinen, Lampen, Erste-Hilfe Set und nicht zu vergessen, den Müllbeutel.

Nicht schlapp machen! Jetzt gehts erst richtig los!

Nach dem Einstieg in den Steig gibt es also kein Zurück mehr. Er führt über 600 m über den teilweise zersplitterten Grat und bietet eine hervorragende Aussicht.

Die Schwierigkeitsbewertung des Steigs ist mit A-C angegeben, wobei die erste C Passage direkt am Einstieg in Form einer Platte auf einen wartet. Diesen Teil überstanden, geht es dann mit recht einfachen aber dennoch nicht zu unterschätzenden Passagen weiter.

Aufgrund der recht einfachen Passagen ist häufig ein Einklinken in das Drahtseil nicht unbedingt notwendig. Wird dennoch dringendst empfohlen. Wichtig ist hier zu sagen, dass jeder sein eigenes Risiko trägt und das Drahtseil im Falle eines Sturzes die einzige Absicherung ist, welche auf Leben oder Tot entscheidet.

In ca. der Mitte des Steigs kommt man zu einer Abzweigung. Dort hat man die Wahl für die Kletterclub Variante. Sie enthält eine weitere C-Passage. Trotz dessen, dass sie etwas anspruchsvoller ist, ist sie es auf jeden Fall wert, da man so zu einer Bank kommt, welche am höchsten Punkt des Steigs angebracht ist. Dort lässt es sich kurz verweilen, bevor es dann in Richtung Wankspitzengipfel geht.

Nach etwa einer Stunde im Steig ist es dann erreicht. Das Gipfelkreuz.

Geschafft! Achneee… da ist ja noch der Abstieg

Am Gipfelkreuz angelangt, genießt man eine starke Erleichterung und genießt die Aussicht, die einen Österreichs Berge verschaffen. Was man dabei schnellt vergisst, ist dass man noch lange nicht zurück am Fuße des Berges ist. Es folgt der Abstieg, welcher, so leicht es sich auch anhört, nochmal richtig Zeit in Anspruch nimmt und eine Belastungsprobe für Gelenke und Knochen ist. Über zwei Stunden bergab laufen, mit jedem Schritt hinuntertreten, und das alles nach einem Anspruchsvollen Aufstieg.

Wenn man das hinter sich hat, hat man sich das deftige Abendessen redlich verdient.

Am späten Nachmittag war es dann so weit, wir waren zurück am Fuße des Berges. Komplett k.o. aber dennoch stolz über beide Ohren. Stolz darauf etwas nicht Alltägliches erlebt zu haben. Stolz darauf an die Grenze gegangen zu sein und dennoch stark geblieben zu sein.

Warum solltet ihr euren Urlaub am Strand mal umstricken und etwas Anspruchsvolles wagen?

Es sind genau die letzten zwei Sätze des oberen Abschnittes, die aussagen, warum ihr euch an so etwas wagen solltet. Es ist ein einzigartiges Erlebnis und gibt euch enorme Motivationsschübe für euren Altag.

Solch ein Abenteuer zu erleben schenkt euch einen starken Zusammenhalt, hilft euch selbst zu finden, über manche Dinge anders nachzudenken und ermöglicht euch über euren Horizont hinweg zu wachsen.

Großartig anders kann man es nicht beschreiben. Um es genauer zu wissen müsst ihr es schon ausprobieren.

Damit wünsche ich euch viel Spaß dabei und hoffe, dass ihr dieses Jahr gesund euer Lieblingshobby weiterverfolgen könnt.

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